documenta 11 – Filminstallation
Kurztext aus dem Katalog
*1942 in Konstanz, Germany. Lebt in Berlin, Germany.
Ulrike Ottinger ist eine der konsequentesten Filmemacherinnen, die aus der Bewegung Neues deutsches Kino der sechziger und siebziger Jahre hervorgegangen sind. Zentraler Aspekt ihres Werks ist eine theatralische Meditation über Identität und Differenz insbesondere in Bezug auf Geschlecht und sexuelle Orientierung, sowie die komplexe Psychodynamik der Macht. Ottingers Arbeit über die Mechanismen des Spektakels - samt einer breiten Palette sexuell aufgeladener Inhalte - hat die Regisseurin sowohl bei feministischen als auch bei schwulen Kritikern und Filmemachern beliebt gemacht. Ottinger hat eine Reihe experimenteller Dokumentarfilme gemacht, darunter Taiga (1991/92), einem achteinhalbstündigen Reisetagebuch, das allein durch die Aufzeichnung von Begegnungen und ohne das Bestreben, etwas erzählen zu wollen, ihre Reisen durch die Mongolei dokumentiert. Die gleiche kritisch ethnographische Praxis kennzeichnet ihr Projekt für die Documenta11, Südostpassage (2002). Auch hier hält der in drei Teile gegliederte Film kulturelle Begegnungen mit der Kamera fest: eine Reise von Berlin aus durch Osteuropa sowie zwei Stadtexpeditionen, eine durch Odessa und eine durch Istanbul. Mit ihrem eindrucksvollen Blick fürs Detail und ihrem Respekt vor den Menschen, denen sie begegnet - wie sie arbeiten, sich kleiden, ihr Leben leben - präsentiert Ottinger ein Porträt der Völker am Rande Europas, denen es nicht gelungen ist, vom Ende des Kalten Kriegs zu profitieren.

